Patientenseminare

Seminarangebot, 2. Halbjahr 2010

Gelenkspiegelung und Operation - Knie, Hüfte, Schulter

Die Chirurgische Klinik des Knappschaftskrankenhauses Recklinghausen führt pro Jahr ca. 200 arthroskopisch kontrollierte Operationen der Knie- und Schultergelenke durch. Im Bereich der Kniegelenke werden von der diagnostischen Arthroskopie bis zum arthroskopisch kontrollierten Kreuzbandersatz mittels Sehnengewebe alle Operationen angeboten. Der Schwerpunkt im Bereich der arthroskopischen Operationen des Schultergelenkes liegt auf der sogenannten subacromialen Erweiterung beim Schulterengensyndrom.

Die vorgenannten Operationen werden sowohl als ambulante Operationen wie auch im Rahmen eines kurzstationären Aufenthaltes angeboten.

Adipositastag – Ruhr 2010    

Die krankmachende (morbide) Adipositas ist seit 1997 von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit anerkannt. Diese schwere Form der Fettsucht (Adipositas Grad III) betrifft 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung und damit rund 1 Million Menschen in Deutschland. Damit verbunden ist ein schwerwiegendes Gesundheitsrisiko mit Folgeschäden im Bereich von Herz-Kreislauf, Diabetes mellitus Typ II, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Refluxerkrankung, degenerative Veränderungen des Skeletts und der Gelenke sowie ein erhöhtes Krebsrisiko. Natürlich stehen zunächst immer konservative und diätetische therapeutische Methoden im Vordergrund. Da der langfristige Erfolg leider jedoch ausbleibt, werden zunehmend endoskopische und chirurgische Verfahren verfolgt.

Magenballon: Dabei wird in Verbindung mit einer Magenspiegelung ein flüssigkeitsgefüllter Kunststoffballon mit einem Volumen von 500 - 700 ml in den Magen platziert. Der Ballon führt zu einem rascheren Völlegefühl und hilft dem Patienten die Mahlzeiten zu begrenzen. Als wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme muss allerdings der Verzicht auf süße Speisen oder kalorienreiche Getränke (Kohlenhydrate, Alkohol) eingehalten werden. Der Ballon muß nach etwa 6 Monaten entfernt oder gegen einen neuen ausgetauscht werden.

Magenband: Hier wird mittels Schlüssellochoperation ein Kunststoffband um den oberen Anteil des Magens gelegt und dieser förmlich eingeschnürt. Mit dieser "Radikalmethode" wird die Aufnahme größerer Mahlzeiten unmöglich. Er Erfolg dieser Operationstechnik ist umstritten, kommt aber wie bei anderen Operationen (Bypassverfahren) nur in Extremfällen in Frage.

Fettabsaugung: Die Fettabsaugung in örtlicher Betäubung stellt ein ideales Verfahren zur "Problemzonen-Behandlung" dar. Die Operation eignet sich nicht zur Beseitigung von Übergewicht, dafür aber um so mehr zur Behandlung von Fettverteilungsstörung. Dabei finden sich bei oft schlanken Patienten erhebliche Fettansammlungen z. B. im Bereich der Beine, der Hüften oder lokalisiert in der Bauchdecke. In einzelnen Fällen, ggf. auch in mehreren Sitzungen, lassen sich mehrere Kilogramm Fett gezielt nachhaltig absaugen. 

Bauchdeckenplastik: Hierbei handelt es sich um eine Schnittoperation, bei der Hautüberschuss und zum Teil auch große Fettanteile der Bauchdecke "weggeschnitten" werden. In einzelnen Fällen können dabei bis zu 10 Kilogramm Fettgewebe entfernt werden. Da die sogenannte "Fettschürze" häufig zu Hautveränderungen (Geschwüre, Infektionen) führt, besteht hier mit der Operation eine gute Möglichkeit der Behandlung. 

Schlüssellochoperationen an der Gallenblase

Viele Menschen haben Steine in der Gallenblase, ohne dass wir die eigentliche Entstehungsursache kennen. Gallensteine können jahrelang vorhanden sein, ohne sich bemerkbar zu machen. Die Steine können jedoch auch zur Entzündung der Gallenblase mit heftigsten kolikartigen Schmerzen führen. Wenn dies der Fall ist sprechen wir von einem "symptomatischen" Gallensteinleiden und dann ist der Zeitpunkt der Operation gekommen. Die einzig vernünftige Behandlung besteht in der operativen Entfernung der Gallensteine und der Gallenblase. Würde man nur die Gallensteine entfernen, so könnten sich in der belassenen Gallenblase wieder neue Steine bilden und das Leiden würde von Vorne beginnen. Die erste operative Gallenblasenentfernung wurde vor gut 130 Jahren durchgeführt (15. Juli 1982 in Berlin von Langbuch). Diese Operation wurde in all den Jahren so standardisiert, dass die postoperative Sterblichkeit heute sehr gering ist und bei 0,1 - 0,5 % liegt. Dennoch gab es aber nach Gallenblasenoperationen immer wieder Komplikationen, wobei die Mehrzahl der Komplikationen auf den bis in die 90er-Jahre üblichen Bauchschnitt zurückzuführen war. Seit Ende des letzten Jahrhunderts wird die Gallenblase vorzugsweise in fast allen Kliniken minimal-invasiv operiert. Die laparoskopische Technik verursacht nur kleine Bauchschnitte. In der Regel braucht der Patient nach der Operation weder eine Magensonde, noch eine Wunddrainage. Der Patient kann zügiger mobilisiert werden und die Verweildauer im Krankenhaus ist deutlich kürzer. Diese Vorteile haben die laparoskopische Gallenblasenoperation binnen weniger Jahre zu einer Routineoperation werden lassen.

"Wenn der Schuh drückt" - Operationen bei Fehlstellungen der Zehen (Hallux valgus, Hammerzehen)

Fehlstellungen im Großzehengrundgelenk verursachen starke Schmerzen.

Wenn der Schuh drückt“, besteht häufig eine Fehlstellung im Bereich der Großzehe, die im medizinischen Sprachgebrauch als Hallux valgus bezeichnet wird. Der Hallux valgus ist die häufigste und bedeutendste Zehenfehlstellung des Menschen. Neben anlagebedingten Ursachen, häufig in Verbindung mit einem Spreizfuß, kommen mechanische Reizungen als Folge von zu engem Schuhwerk in Betracht. Es verwundert daher nicht, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer von diesem Übel heimgesucht werden. Die Großzehe wird dabei ständig in Richtung Fußaußenrand gedrückt, wodurch sich schrittweise eine X-Stellung im Großzehengrundgelenk entwickelt. Mit fortschreitender Achsenabweichung ändert sich auch die Zugrichtung der am Grundglied ansetzenden Muskeln, was zu einer Beschleunigung und Fixierung der Fehlstellung beiträgt. In der Folge tritt der Mittelfußknochen immer mehr hervor und wird mechanisch gereizt. Der Organismus versucht sich gegen diese Reizung durch eine Gewebeverdickung und knöcherne Anbauten zu wehren. Nicht selten entstehen dann im Langzeitverlauf Druckgeschwüre, insbesondere dann, wenn die Durchblutungsverhältnisse im höheren Lebensalter verschlechtert sind. Bei extremer Ausprägung wird die eigentliche Funktion des Großzehengrundgelenkes nicht mehr erfüllt, da die Gelenkanteile völlig aus der Balance geraten.
Häufig bestehen zudem Fehlstellungen im Bereich der übrigen Zehen im Sinne einer Krallenzehenbildung.

Bei der beginnenden Hallux valgus-Fehlstellung sollte zunächst durch verbessertes offenes Schuhwerk sowie einer Einlagen- und Bandagenbehandlung bei gleichzeitig bestehendem Spreizfuß die drohende Fehlentwicklung behandelt werden. Ab einem gewissen Maß der Fehlstellung reichen diese Maßnahmen allerdings selten aus. In der Regel bestehen dann auch anhaltende Schmerzen, die über die kosmetische Indikation hinaus eine operative Maßnahme erfordern. Historisch betrachtet wurden mehr als 100, zum Teil nur sehr geringfügig von einander abweichende, Operationstechniken beschrieben. Durchgesetzt hat sich über viele Jahre die sogenannte Resektionsarthroplastik am Großzehengrundgelenk, bei der ein Teil des Grundgliedes entfernt wird. Vorübergehend wird ein Draht zur Stabilisierung eingebracht. In den letzten Jahren haben sich neue Techniken etabliert, die eine Erhaltung des Gelenks bei gleichzeitiger Korrektur der Fehlstellung ermöglichen. Die sogenannte Chewron-Osteotomie wird hier häufig favorisiert, gleichzeitig wird der fehlgeleitete Sehnenzug korrigiert. Diese Operation führt, abgesehen von extremen Fehlstellungen, zu sehr guten Ergebnissen und es ist rasch wieder eine Belastbarkeit erreichbar. 

Vorsicht ist grundsätzlich bei vorhandenen Durchblutungsstörungen und bei Diabetikern geboten, hier liegt das Augenmerk darauf, von vorn herein die Entwicklung eines Hallux valgus möglichst zu verhindern und Druckstellen zu vermeiden. Die offene Wunde am diabetischen Fuß stellt nach wie vor ein großes Problem dar und erfordert nicht selten kleine und auch größere Amputationen.
Wenn der Schuh drückt ist also eine gründliche Untersuchung des Fußskeletts angezeigt und sollte auch beim Schuhkauf unabhängig von modischen Trends ernst genommen werden.

Mehr Informationen zu den Seminaren

Unsere Patientenseminare sind ein kostenloses Angebot der Chirurgischen Klinik am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Sie finden jeweils unter der Leitung von Prof. Dr. Büsing und Oberärzten der Chirurgischen Klinik statt. Alle Interessenten sind herzlich willkommen. Für Rückfragen stehen wir natürlich jederzeit für Sie bereit.

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